Tagebuch Seite 9

Waldbericht

"He, die Höhle ist kaputt", tönt es laut vor dem Bauwagen. Da müssen am Feiertag wieder Zerstörer am Werk gewesen sein. So werden an diesem Morgen erst mal die Reviere abgesteckt, die Rollen verteilt und der Platz nach evtl. Schäden bzw. noch erhaltenen Häusern, Gärten, Küchen usw. utersucht.

Dem Ruf: "Eincremen" folgen alle Kinder rasch und stellen sich diszipliniert wie die
Engländer in die Reihe um ihr "Fett", (die Mückenabwehrcreme) abzukriegen.

Während Frau Kobus und Frau Müller den Tag besprechen, Telefonanrufe
entgegennehmen, den Bollerwagen ölen und Schaufeln, Sägen und Wasserkanister
packen, haben die Kinder noch mal Zeit, die zerstörten Spielhäuser wieder herzustellen.
Mit Hilfe der Freunde ist schnell der alte Zustand wieder hergestellt, evtl. sogar noch
besser, denn nun hat die Höhle auch noch eine Kanone zur Verteidigung im Vorgarten
stehen. Kurz noch der Test wie viele Kinder in die Höhle hineinpassen dann erklärt der
"Bestimmer" dass alle die sich gemeldet haben in seiner Gruppe mitspielen können.

Wir haben gerade noch Zeit den Plan der Höhle aufzuzeichnen und schon müssen die
Rucksäcke in den Bollerwagen gepackt werden. Zum Halbmond-Sofa soll es gehen und
ich "darf" heute zusammen mit Thommy den Bollerwagen ziehen während Miriam von
hinten kräftig schiebt. Während der Fahrt werden mir schon jede Menge Infos über den
Platz mitgeteilt: es gibt einen Balancierbaum, einen Schaukelbaum, den Monsterbach
huuuh.....ich werde richtig neugierig. Am Wegesrand werden jede Menge Blumen
bewundert, der frische morgendliche Waldduft wird inhaliert und nebenbei schon die ersten
Stöcke und sonstigen "Spielzeuge" aufgesammelt. Das Steuern des Bollerwagens will
auch geübt sein und auf einen lauten Schrei: "Vorsicht, Schnecke!" kann ich gerade noch
rechtzeitig eine Umleitung fahren.

So, nun sind wir da und jeder schnappt sich seinen Rucksack und wer Werkzeuge
braucht auch diese und rennt zum Waldsofa. Olga, Pauline, Rebecca, Lucas S., Bettina,
Nick und Thommy sichern sich gleich ihre Plätze im "Flugzeug". Es ist ein wilder,
unruhiger Flug mit Luftlöchern den die Kinder aber souverän meistern (Bild). Freihändig
wippt der Pilot auf einer Astgabel auf und nieder, dass mir vom Zusehen ganz mulmig
wird, aber schnell merke ich die Sicherheit der Kinder und mache mir keine Sorgen mehr.
Unterwegs wird das Flugzeug angehalten und Frau Kobus, die als Sicherung fungiert,
checkt mit dem Bordmechaniker ob die Maschine noch genug Sprit hat und ob alle
Schrauben noch fest sitzen. Alles ist OK und weiter geht der wilde Flug.

Währendessen kochen Julia, Miriam und Lioba ein Ragout aus abgeschabten Holzspänen
und Frau Müller rundet das Gericht mit feiner Dreckwürze ab.

Im "Urwald" nebenan läuft der Hausbau auf vollen Touren. Man gelangt nur auf einem
geheimen Weg und über den Balancierbaum in das Baugebiet. Unter Mühen endlich dort
angelangt verlangen die Wächter auch noch ein Passwort von mir, aber als sie meine
verzeifelte Mine sehen lassen sie mich gnädigst auch ohne durch. Ich darf sogar das
Haus besichtigen, das alle möglichen Schikanen aufweist wie z.B. Schiebe(baum)tür,
Anbau, Klo und im Feuer bruzzelt eine grosse Wurzel, das Hähnchen. Von dem
bekomme ich nun aber nichts ab, und ich verziehe mich besser wieder durch Unterholz.

Die Zeit vergeht wie im Flug und schon stehen wir wieder brav in der Reihe, diesmal mit
Handtuch untergeklemmt, um die Hände fürs Vesper zu waschen. Nachdem die Plätze
zur Zufriedenheit aller verteilt sind kann mit dem Essen begonnen werden. Dabei werden
neugierige Blicke in die Vesperdose des Nachbarn geworfen um festzustellen, was man
sich unbedingt von der Mama für den nächsten Tag wünschen könnte.

Das Essen ist eine Gelegenheit um wichtige philosophische Fragen zu klären: "Gell der
Himmel ist das Weltall ....." aber auch um rumzukaspern und Witzelverse über die
Kameraden abzusingen oder im Chor zu wünschen dass es jetzt regnen soll .....

Als Frau Kobus das Buch vom Wurzelpeter auspackt habe ich plötzlich auf jedem Knie
ein Kind sitzen, wo es einfach kuscheliger scheint sich eine Geschichte anzuhören.
Gespannt lauschen die Kinder wie die Pilzmännlein ihre Pilze züchten und welche List sie
anwenden um den giftigen Knollenblätterpilz von dem wohlschmeckenden
Waldchampignon für die Menschen erkennbar zu machen.

Kaum ist die Geschichte beendet fällt der vorher herbeigesungene Regen mit ein paar
einzelnen Tröpfchen vom Himmel, was uns veranlasst dazu das Regenlied: Es regnet, es
regnet ..... zu singen. Die Finger bewegen sich dabei wie die fallenden Regentropfen und
mit dem Liedende ist auch der winzige Schauer vorüber. Die Kinder haben anscheinend
noch nicht genug vom Singen und möchten noch ein bisschen fürs Sommerfest üben
........ aber das ist geheim!!!

Eine Lauscherunde beschliesst den Aufenthalt beim Waldsofa und nachdem alle
Schaufeln und Sägen abgezählt und verstaut sind werden die Pferde (die selben wie beim
Herweg) vor den Bollerwagen gespannt und mit Hüa gehts bergauf.

Einige "dringende Geschäfte" und das Bestaunen und Retten eines Hirschkäfers auf dem
Rückweg lassen uns den Rest des Weges im Eiltempo zurücklegen, aber es reicht noch
für einen Schlusskreis und das Lied:" Wir wünschen uns ein schönes Wochenend ........
"bevor alle zur Schranke stürmen, wo Papas, Mamas, Opas, Omas ....... und schliesslich der Bus die Kinder in Empfang nehmen.

Schön wars, ich bin dankbar dass mein Kind sowas fünfmal die Woche erleben darf.

Anette