Tagebuch vom 19. Februar 2002

Ein Besuch beim Sonnenstrahl-Waldsofa

Der Februarmorgen beginnt freundlicher als erwartet. Dennoch empfängt uns ein eisiger Wind, als wir aus dem Bus steigen und an der Schranke auf die noch fehlenden Kinder warten.

Den Kindern scheint das alles gar nichts auszumachen. Beim Morgenkreis will jedes Kind das "Schneewitchen" sein, das sich auf den Boden legen darf, sich schlafend stellt und vom "Prinzen" aufgeweckt wird. Fünfmal wiederholt sich das Spiel und alle sind begeistert dabei.

Danach machen wir uns auf zum Sonnenstrahl-Waldsofa. Ohne Rucksack und Bollerwagen, denn Essen gibt´s nach der Rückkehr im Bauwagen, der eigens dafür vorgeheizt wird. Noch ist mir nicht klar, wie 17 Kinder und 4 Erwachsene in diese Sardinenbüchse passen sollen...

Wir ziehen los, die Kinder weit voraus. Plötzlich heißt es STOP. Als ich bei den Kindern ankomme und gar nicht darauf achte, dass hier der Waldweg in eine geteerte Straße übergeht, da sagt plötzlich ein Kind: du darfst nicht auf den Teer stehen. Wir müssen hier warten, bis alle da sind. Als die Erzieherinnen mit den restlichen Kindern eintreffen, geht es weiter. An der Schranke wieder STOP! Dann am Waldrand und langsam bekomme ich mit, dass es sogenannte "Haltepunkte" gibt, an denen die Kinder, die vorauseilen immer warten müssen, bis die Gruppe wieder zusammen ist.

Als wir beim Sonnenstrahlsofa ankommen ist zwar von der Sonne weit und breit nichts zu sehen, aber wenigstens ist der Wind hier kaum zu spüren und so ist die Kälte erträglich. Die Kinder verteilen sich, malen im Waldsofa, klettern auf umgestürzten Baumstümpfen oder malen Baumstämme und Bäume an.

Die einen sind Polizisten, die anderen Räuber und die Astgabel, die letzte Woche noch Tiefenmesser zum Tauchen war, ist diese Woche eine Radarfalle, ein anderer Stock dient als Ampel. Alle Kinder sind sehr beschäftigt und mein Sohn, der im Bus noch darauf bestand, dass ich mit ihm spielen solle, nimmt mich kaum noch wahr, weil er so viel zu tun hat.

So vergeht die Zeit wie im Flug und als wir später zum Bauwagen zurück kehren, ist es schon beinahe elf Uhr. Wichtigstes Ritual: Händewaschen. Mit Lavaerde und Wasser wird der Dreck und der "Fuchsbandwurm" abgewaschen. Alles läuft sehr diszipliniert ab nur ich kapiere nicht, wann ich das Handtuch an Korai übergeben muss, der es dann hält, bis ich mir die Hände gewaschen habe.

Schließlich zwängen wir uns in den Bauwagen und mein Sohn hat mir tatsächlich den Platz neben sich frei gehalten, von dem ich allerdings nicht weiß, wie ich mich da hineinzwängen soll. Nachdem schließlich alle noch mal aufgestanden sind und die Bank mehrfach hin- und her geschoben wurde, klappt es und alle finden ihren Platz.


Die Geschichte der "Übriggebliebenen Äpfel", bei dem die auf den Obstwiesen liegen gebliebenen Äpfel enttäuscht darüber sind, dass sie keiner haben will und über die sich schließlich die Vögel doch noch freuen, beschließt das Vesper. Das Verlassen des Bauwagens ist ähnlich schwierig, wie das Betreten. Aber schließlich sind alle draußen und wir finden uns zum Schlusskreis zusammen. Ein Lied auf den Busfahrer stimmt uns auf die Rückfahrt ein. Wir nehmen unsere Rucksäcke auf und erreichen, mit Unterbrechung durch den Haltepunkt die Bushaltestelle.

Oliver Wild, 19.2.2002